Forscher haben ein körpereigenes Schmerzmittel entdeckt, das effektiver ist
als Morphium: Es unterdrückt Schmerzen genauso gut, wirkt aber achtmal länger
als das Opiat.
Der hochwirksame Schmerzkiller ist ein alter Bekannter für die Forscher: Es
handelt sich um ein Protein namens Prostataspezifische Saure Phosphatase (PAP),
das bisher nur als Tumormarker in Erscheinung getreten ist. Tatsächlich kommt
es jedoch auch in Nervenzellen vor, die für Schmerzempfindungen zuständig
sind. Dort verwandelt es schmerzverursachende Botenstoffe in solche, die
Schmerzen unterdrücken.
Ein künstlicher Eingriff in diesen Mechanismus könnte eine effektive
Möglichkeit sein, Schmerzen für längere Zeit in den Griff zu bekommen,
berichten die Wissenschaftler um Mark Zylka von der Universität von North
Carolina in Chapel Hill im Fachmagazin "Neuron" (Bd. 60, S. 111).
Bei Untersuchungen an Mäusen, denen das Gen für PAP fehlte, konnten die
Forscher auch eine verminderte Aktivität eines Markers nachweisen, mit dem
bereits seit vielen Jahren die Intensität von Schmerz gemessen wird. Dies
spreche dafür, dass es sich bei beiden - dem PAP und dem Schmerzmarker - um ein
und dasselbe Protein handele, schreiben die Wissenschaftler.
Eine weitere Überraschung: Der vermeintliche Schmerzmarker entpuppte sich
als effektives Schmerzmittel. Die genetisch veränderten Mäuse reagierten
nämlich empfindlicher auf Schmerzen, die durch Entzündungen oder eine
Schädigung von Nerven ausgelöst wurden. Zudem nahm die Schmerzempfindlichkeit
wieder ab, wenn die Wissenschaftler hohe Mengen an PAP in das Rückenmark der
Mäuse injizierten. Im Vergleich zu einer Dosis Morphium, deren Wirkung nach
fünf Stunden nachlässt, unterdrückte eine Dosis PAP den Schmerz für bis zu
drei Tage.
In weiteren Experimenten konnten die Forscher zeigen, wie das Enzym PAP
wirkt: Werden die für Schmerzen zuständigen Nervenzellen gereizt, setzen sie
unter anderem den Energieträger ATP frei, was letztlich dazu führt, dass das
Gehirn ein Schmerzgefühl auslöst. PAP wandelt das ATP nun jedoch in Adenosin
um, indem es einen Teil abspaltet. Dieses Adenosin hemmt die Übertragung von
Schmerzsignalen, was wiederum die Schmerzen lindert.
Zylka und sein Team suchen nun nach weiteren Proteinen, die ebenfalls zu
dieser Spaltreaktion fähig sind. "Es ist zwar möglich, dass PAP selbst
für eine Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden kann, jedoch nur in Form
von Injektionen wie bei Morphium", erläutert der Wissenschaftler.
"Wir würden es aber lieber so modifizieren, dass es in Tablettenform
eingenommen werden kann".
Dauerschmerz durch Medikamente
Seit ihrer Kindheit leidet sie unter Migräne, besuchte einen Arzt nach dem
anderen, versuchte Schmerztherapien und Akupunktur. "Während der
Schwangerschaft war es besonders schlimm", sagt die 37-jährige
Hamburgerin. Mit Schmerzmitteln versuchte sie, sich fit zu halten. "Man
kann sich ja nicht ständig krankmelden. Man muss ja funktionieren." Doch
der Kopfschmerz wurde immer nur schlimmer.
Für Ulrike Bingel, Neurologin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
(UKE),
ein typischer Fall. Denn was viele Kopfschmerz-Patienten nicht wissen: Durch
übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln oder Medikamenten gegen Migräne
(Triptane)
kann sich ein Dauerkopfschmerz entwickeln. "Das ist, als würden Sie auf
ein Gaspedal drücken", erklärt Ulrike Bingel, die die 37-Jährige in der
Kopfschmerzsprechstunde am UKE betreut.
"Nach einer Studie der Deutschen Migräne-und Kopfschmerzgesellschaft
(DMKG)
leiden bis zu zwei Prozent der Bevölkerung an solchen medikamenteninduzierten
Kopfschmerzen", sagt Prof. Andreas Straube, Neurologe an der Universität
München und DMKG-Vizepräsident. Davon seien etwa 80 Prozent vor allem
Migränepatienten und 20 Prozent Patienten mit chronischem Spannungskopfschmerz.
Denn solche durch Medikamente verstärkte Schmerzen treten nur bei Patienten
auf, die bereits an einem primären Kopfschmerz leiden.
Ab wann ein Übergebrauch zu Dauerkopfschmerz führt, ist Straube zufolge
unterschiedlich. Die DMKG rate deshalb in ihren Leitlinien, Medikamente gegen
Kopfschmerzen nicht häufiger als zehn Tage im Monat und nicht länger als drei
Tage in Folge einzunehmen.
Vor allem Migränepatienten mit einem hohen Leistungsbewusstsein, die auch
vorbeugend Schmerzmittel vor einem wichtigen beruflichen Termin nehmen, seien
betroffen, sagt Straube. "Man rutscht da schnell rein, aus Angst vor
Kopfschmerzen", bestätigt die Mutter aus der Hamburger
Kopfschmerzsprechstunde, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will:
"Migräne gilt ja bei vielen Arbeitgebern immer noch als nicht ernst zu
nehmende Frauenkrankheit", so ihre Erfahrung.
Verlässt sich der Patient nur auf Medikamente, steigt das Risiko, einen
Dauerkopfschmerz zu entwickeln. Der kann sich je nach Medikament von den
ursprünglichen Kopfschmerzen unterscheiden: Der typische Migräne-Kopfschmerz
ist einseitig, klopfend und pulsierend. Werden Triptane zu oft eingenommen,
erhöht sich die Frequenz der Migräne-Attacken, erklärt Ulrike Bingel. Bei
Übergebrauch von Schmerzmitteln wie Paracetamol kommt ein dumpf drückender
Kopfschmerz hinzu wie der klassische Spannungskopfschmerz.
Was im Körper passiert, wenn zu viel Medikamente gegen den Kopfschmerz
genommen werden, sei noch nicht genau erforscht, erklärt Straube. Es werde aber
vermutet, dass es zu einer Art Übersensibilisierung im Nervensystem kommt, das
Kopf und Gesicht versorgt, sagt Ulrike Bingel.
Der Wissenschaftler Klaus-Peter Kolbatz
hat Schmerz-
und Burnoutforschung
betrieben und ist hier schon weiter.
Er hat festgestellt, dass durch die Einnahme von Schmerzmittel das
körpereigene Morphin (Endorphine) entsprechend reduziert wird und somit
zwangsläufig mit Schmerzmittel ein Ersatz geschaffen werden muss. Das heißt:
Je mehr Schmerzmittel eingenommen werden, desto weniger körpereigene Morphine
werden verwertet. Werden die Schmerzmittel abgesetzt, dann dauert es ca. eine
Woche bis der Bedarf an Morphin wieder hergestellt ist. Zu den Endorphinen
gehört auch das Glückshormon Serotonin. Endorphine müssen täglich neu
gebildet werden. sie steuern beim Menschen u.a. auch den Gemütszustand und sind
wichtig gegen Depressionen und Erschöpfungszustände wie bei Burn-out.
Eine besondere Aufgabe hat das Serotonin auch bei der Ausbreitung bestimmter
Tumore, indem es Krebszellen dazu bringt, sich selbst zu zerstören. Das heißt
z.B. auch, ob das Rauchen tatsächlich so gefährlich ist, wie bisher
angenommen, muss nach Ansicht von Kolbatz überdacht werden. Weiter...>
Um herauszufinden, ob sie an einem durch Schmerzmittel verursachten
Kopfschmerz leiden, sollten Patienten deshalb ein Schmerztagebuch führen. Darin
wird festgehalten, welche Medikamente gegen die Kopfschmerzen eingenommen werden
und ob sie überhaupt geholfen haben. "Denn nicht selten nehmen Patienten
Schmerzmedikamente ein, von denen sie sagen, dass sie eigentlich gar nicht mehr
helfen", sagt Kolbatz.
Entwickelt sich ein Dauerkopfschmerz, hilft nur noch eine strikte
Einnahmepause von etwa 8 bis 10 Tagen: "Etwa 80 Prozent der Patienten geht
es danach besser", sagt Kolbatz. Auch die eigentlichen Migräne-Attacken
treten seltener auf. Allerdings müssen die Patienten damit zurechtkommen, dass
sie in den ersten Tagen des Entzugs sogar noch stärkere Kopfschmerzen mit
einhergehenden Gliederschmerzen haben als
sonst.
Wer sich stark genug fühlt, kann eine Medikamentenpause ambulant versuchen
und die Einnahme der morgendlichen ersten Schmerztablette, schrittweise immer
weiter hinaus ziehen. Betroffenen, die zum Beispiel bereits rückfällig
geworden sind, empfiehlt Kolbatz eine stationäre Behandlung. Bei dieser werden
typische Migräne-Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen durch
Infusionen gelindert. Mit Kortison könnten die Schmerzen während des Entzugs
behandelt werden. In manchen Fällen werden auch Antidepressiva verschrieben, um
den Entzug zu erleichtern, sagt Privatdozent Peter Kropp, Psychologischer
Psychotherapeut an der Universität Rostock und Generalsekretär der
DMKG.
Um es überhaupt nicht soweit kommen zu lassen, sollten die Patienten ihre
Migräne auch mit nicht-medikamentösen Alternativen angehen. "Hierbei
können auch die Fakir - Methoden beitragen", sagt Kolbatz.
Die
Migräne-Prophylaxe sieht neben zusätzlichen Medikamenten wie Beta-Blockern
auch Entspannungstechniken vor. Dazu gehören Progressive Muskelrelaxation,
Biofeedback oder kognitive Verhaltenstherapien.
Dabei lernen die Betroffenen, sich auf bestimmte Körpersignale zu
konzentrieren, erklärt Kropp. "Ihnen wird der Sinn dafür geschärft, dass
sie bestimmte Signale wahrnehmen können." Entspannungstechniken müssen
Migräne-Patienten in schmerzfreien Phasen einüben. Auch Ausdauersport hilft
Studien zufolge. "Sport führt zu einer Reduktion der Migräne-Attacken von
40 bis 50 Prozent."
Wege zum Stressmanagement und eine Verhaltenstherapie seien aber ein
wichtiger Baustein in der Migräneprophylaxe. "Denn der typische
Migräne-Patient ist ein Perfektionist, der angestrengt versucht, Fehler zu
vermeiden", erklärt Kropp. Deswegen seien Techniken zur Entspannung und
Selbstwahrnehmung so wichtig. Er ist überzeugt, dass Patienten die Zahl der
Migräne-Anfälle mit der richtigen Prophylaxe reduzieren können. "Man
kann Migräne zwar nicht heilen, aber auf jeden Fall bewältigen."
Diese Hoffnung hat auch die Patientin von Ulrike
Bingel: Die 37-jährige
Mutter setzt nach ihrem letzten Entzug auf Alternativen. "Ich will ja
eigentlich keine Medikamente nehmen", sagt sie. Stattdessen möchte sie
ihre Kopfschmerzen mit Entspannung in den Griff bekommen.
Schmerzen ohne körperliche Ursache belasten die Psyche
Wenn Menschen monatelang unter Schmerzen ohne erkennbare körperliche
Ursachen leiden, könnte bei ihnen ein sogenanntes Chronisches Schmerzsyndrom
vorliegen.
"Die Betroffenen leiden häufig unter Kopfschmerzen, Rückenschmerzen
und Gliederschmerzen sowie Herzklopfen, Schwindel und Schlafstörungen",
erklärt Prof. Frank Schneider vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für
Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin.
"Nach erfolglosen körperlichen Behandlungsversuchen reagieren die
Patienten oftmals mit Hilflosigkeit, und es kommt zu einem sozialen
Rückzug." Die vielfältigen seelischen und sozialen Folgen beeinflussen
wiederum das Schmerzempfinden negativ. "Ausgeprägtes Rückzugs- und
Schonverhalten lenken die Aufmerksamkeit immer stärker auf die Beschwerden, es
entsteht ein Teufelskreis von Schmerzen und depressiver Verstimmung",
erläutert der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am
Universitätsklinikum Aachen.
Bei Patienten mit einem chronischen Schmerzsyndrom liegen gehäuft zum
Beispiel traumatische Erlebnisse oder schwierige Lebensbedingungen vor.
"Betroffene neigen oft dazu, Körperreaktionen wie Herzrasen, Schwitzen und
Nervosität sehr genau wahrzunehmen und sie rasch als bedrohlich zu
empfinden", sagt Prof. Schneider.
Durch eine Psychotherapie lernten auch Patient mit bereits bestehendem
Chronischen Schmerzsyndrom, ihre Aufmerksamkeit von den Beschwerden wegzulenken.
Wenn die Betroffenen durch eigene Erfolgserlebnisse ihr Selbstwertgefühl
stärken und Strategien zur Stressverringerung erwerben, könne sich ihre
Lebensqualität erheblich verbessern, schreibt auch K.-P. Kolbatz in seinem Buch
"Burn-out-Syndrom" - Infarkt der Seele - .
Als mögliche Ursache kommt aber auch ein
gestörter REM-Schlaf
durch elektromagnetische Welle in Betracht. Morgendliche
Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen bis hin zu Depressionen können die Folge sein
schreibt Kolbatz in seinem Buch „Kapitalverbrechen
an unseren Kindern“.
Den Angaben zufolge leiden
etwa zwölf Prozent der Bundesbürger im Laufe ihres Lebens an einem Chronischen
Schmerzsyndrom.
Ältere Menschen müssen oftmals unnötigerweise große Schmerzen aushalten.
In Pflegeheimen klagen 45 bis 80 Prozent aller Bewohner über anhaltende
Schmerzen, wie der Mediziner Andreas Kopf von der Berliner Charité berichtet.
Aber nur 20 Prozent von ihnen werden nach seinen Angaben auch tatsächlich mit
Schmerzmitteln behandelt: "Viele Ärzte und Pfleger sind sicher der
Häufigkeit von Schmerzen und der Notwendigkeit ihrer Behandlung nicht
bewusst", kritisiert der Experte. Hinweise auf Schmerzen würden im
Patientengespräch oft nicht wahrgenommen.
Dies liegt laut Kopf auch daran, dass bei älteren Patienten neben der
eigentlichen Erkrankung durchschnittlich noch fünf Nebendiagnosen mit
durchschnittlich sieben Medikamenten behandelt werden: "Eine derart
komplexe Therapie verstellt oft den Blick auf den Schmerz." Bei dementen
Patienten kämen Einschränkungen der geistigen Funktionen hinzu, die die
Kommunikation zusätzlich erschwerten. Kopf empfiehlt, gezielter nach Schmerzen
zu fragen und auf entsprechende Anzeichen besser zu achten. Die häufigsten
Schmerzursachen bei Senioren sind nach Angaben des Mediziners
Wirbelsäulendegenerationen, Arthrose und Arthritis, diabetische
Nervenschädigungen, Gürtelrosenerkrankung und Tumoren.
Psychisch krank durch Erreger
Ulm/Magdeburg . Die 31-jährige Frau war für die Ärzte ein hoffnungsloser
Fall: Müdigkeit, Depressionen und Selbstmordgedanken peinigten sie in rascher
Folge. Kein Medikament half dagegen. Nicht einmal in der psychiatrischen Klinik
besserte sich ihr Zustand nennenswert. Ein Arzt diagnostizierte schließlich
eine «therapieresistente Depression».
Doch zum Glück hat er sich getäuscht. Dank Antibiotika ist die Frau
inzwischen gesund und arbeitet seit vier Jahren wieder. Die heilenden Pillen hat
ihr der Arzt Karl Bechter verordnet. Der Spezialist für psychische Erkrankungen vom Bezirkskrankenhaus der
Universität Ulm schöpfte Verdacht, nachdem er im Blut Antikörper gegen
Streptokokken und Anzeichen einer chronischen Infektion bemerkte.
Er vermutet, dass die Patientin zwei Jahre lang an einer wellenartig
wiederkehrenden Erkrankung durch die Bakterien litt. Das habe die Depression
hervorgerufen. «Psychische Erkrankungen sind in einigen Fällen eine Folge von
Abwehrkämpfen des Immunsystems», ist Bechter überzeugt. Eine ungewöhnliche
These, die er anhand der Krankheitsgeschichte der 31-jährigen Patientin
bestätigen konnte.
Depressiv und schizophren durch Bakterien und Viren? Früher suchte man die
Ursache psychischer Leiden in erster Linie im sozialen Umfeld, in der Kindheit
und der Erziehung. «Generationen von Eltern haben sich Vorwürfe gemacht. Aber
die Familie spielt als Auslöser überhaupt keine Rolle», räumt Bernhard
Bogerts, Psychiater an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, mit
diesem Klischee auf. Die Mitmenschen beeinflussen zwar den Verlauf der
Erkrankung, aber die Wurzel des Übels sind sie nicht. Die Ursachen sieht der
Mediziner andernorts: Die Gene, vorgeburtliche Hirnstörungen und ein aus dem
Tritt geratenes Immunsystem «spielen dabei eine wichtige Rolle», so Bogerts.
Gerade schleichende und chronische Entzündungen lenken das Immunsystem auf die
schiefe Bahn.
«Wir haben für mindestens 13 Erreger Hinweise, dass sie mit psychischen
Erkrankungen in Verbindung stehen», führt Bechter aus. Neben Streptokokken
gehören Borrelien dazu, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden.
Jahre nach dem Biss habe sich die Infektion bei einigen Patienten mit einer
Depression gemeldet, berichtet Bechter.
Auf der Liste der Verdächtigen stehen auch Herpes- sowie HI-Viren und
Chlamydien, die beim Sex übertragen werden. «Es sind sogar Erreger dabei, die
als nicht besonders gefährlich gelten, die sich aber im Nervensystem
einnisten.» Aus ihrem Versteck heraus können sie ein tückisches Spiel
treiben.
Wie die Erreger den Menschen in die psychische Krankheit treiben, ist
allerdings bislang nicht geklärt. Bei Aids-Patienten, die an einer Depression
litten, fand man nach ihrem Tod, dass der Eiweißstoff Kynureninsäure in ihrem
Gehirn abnormal verändert war. Dadurch wird der Informationsaustausch zwischen
den Neuronen gestört. «Bei HIV-Patienten sind bestimmte Zellen des Gehirns
voll mit Viren», betont Bechter.
Auch andere Erreger hinterlassen Spuren im Gehirn: Das Borna-Virus schädigt
Nervenzellen und Zellgewebe im Gehirn, wie bei Depressiven und Schizophrenen
nachgewiesen wurde. Auch die Nervenzellfortsätze werden von diesem Virus in die
Mangel genommen. Bechter konnte einigen Patienten helfen, indem er einen Teil
der Bakterien und Viren aus ihrem Nervenwasser filterte.
Doch die Psychoneuroimmunologen kommen nur langsam voran bei der Suche nach
weiteren Indizien. Sie müssen auf verstorbene psychisch Kranke hoffen, deren
Angehörige einwilligen, das Gehirn auf mögliche Virusrelikte oder Zeichen
einer Entzündung zu durchsuchen. Im neuropathologischen Labor von Bogerts
werden derzeit Schädel von manisch Depressiven, Schizophrenen und
Selbstmordopfern analysiert.
«Der Nachweis ist sehr schwierig», klagt Bogerts. Denn längst nicht jede
Infektion lastet für immer auf der Seele. Nur ein sehr kleiner Teil der
Menschen schleppt die Erkrankung dauerhaft mit sich herum und bekommt
schließlich ein psychisches Leiden. «Erreger spielen bei einem bedeutenden
Prozentsatz der Patienten eine Rolle. Aber das Bakterium »Schizokokkus«, das
von heute auf morgen wahnsinnig macht, gibt es nicht», unterstreicht Bogerts.
Depressionen und Schizophrenien sind uneinheitliche Erkrankungen. Der Einfluss
verschiedener Erreger könnte eine Erklärung dafür liefern.
Kopfschmerzen werden nicht als Krankheit gesehen. Das ergab eine
repräsentative Umfrage anlässlich des DAK Gesundheitsreports 2007 unter 3000
Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren.
Mehr als die Hälfte aller Deutschen litt im letzen Jahr unter Kopfschmerzen.
Dennoch gehen viele den Ursachen nicht auf den Grund, tun ihr Leiden als
Befindlichkeitsstörung ab und greifen lieber zum rezeptfreien Schmerzmittel.
Eine Anerkennung von Kopfschmerzen als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem
ist jedoch der erste Schritt zu einer erfolgreichen Behandlung. Hier erfahren
Sie alles über die verschiedenen Kopfschmerzarten und wirksame Methoden, dem
Leiden aktiv vorzubeugen.
Schmerzmittel können auch Schmerzen auslösen
Wer mehr als zehn Tage im Monat und länger als drei Tage in Folge zu
Schmerztabletten greift, riskiert, an einem so genannten medikamenteninduzierten
Kopfschmerz zu erkranken. Dabei verstellt die ständige Zufuhr von
schmerzhemmenden Substanzen die körpereigenen Schmerzregler.
Schmerzinformationen werden nicht mehr gefiltert, sondern strömen ungehindert
in das Bewusstsein. Dadurch werden Medikamente selbst zu Schmerzauslösern.
Ein Teufelskreis entsteht: Der Patient hat Angst vor dem nächsten
Schmerzanfall und nimmt häufiger Tabletten ein, oft sogar, wenn der Kopfschmerz
noch gar nicht da ist. Langfristig erweist sich dieses Verhalten als fatal, denn
die Kopfschmerzanfälligkeit nimmt mit jeder weiteren Einnahme zu.
Die Folge: ein Dauerkopfschmerz entsteht. Um diesen Teufelskreis zu
durchbrechen, müssen Betroffene zwei bis acht Wochen ganz auf Schmerzmittel
verzichten. Der Patient sollte die Medikamentenpause mit seinem Arzt abklären,
denn bereits wenige Stunden nach dem Einnahmestopp beginnt der Absetzschmerz.
Nach 14 Tagen lindern sich die Entzugserscheinungen jedoch wieder.
Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz
Migräne
Migräneschmerz ist meist einseitig, pulsierend und sehr stark. Ganz typisch:
der Schmerz breitet sich langsam aus oder wandert von einer Seite zur anderen (migrare
= lateinisch: wandern). Die häufigsten Begleiterscheinungen sind Übelkeit,
Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit.
Migräne kann sich schon ein bis zwei Tage vor dem Anfall ankündigen.
Häufig haben Betroffene Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel, sind müde und
rastlos.
Migräne ist nicht heilbar und wird angeboren. Man kann sie jedoch mit
speziellen Schmerzmitteln bekämpfen. So genannte Triptane wirken nur bei
Migräne und müssen vom Arzt verschrieben werden. Als hilfreich erweisen sich
auch Entspannungsübungen oder Akupunktur.
Spannungskopfschmerz
Spannungskopfschmerzen haben die meisten schon einmal erlebt. Sie treten in
der Regel beidseitig auf. Betroffene sprechen auch von einem "Druck im
Kopf". Häufig zieht sich der Schmerz vom Nacken über den Kopf zur Stirn.
Kopf- und Nackenmuskulatur können dabei sehr schmerzempfindlich sein.
In der Regel werden die Schmerzen durch physischen und psychischen Stress
ausgelöst. Besonders treten sie durch Muskelverspannungen im Nacken- und
Schulterbereich sowie im Bereich der Augen- und Gesichtsmuskeln auf.
Zwar lassen sich Spannungskopfschmerzen meist durch Einnahme von rezeptfreien
Schmerzmittel eindämmen, aber genau darin liegt auch die Gefahr. Der
übermäßige Konsum dieser Mittel kann chronische Schmerzen verursachen.
Clusterkopfschmerzen
Clusterkopfschmerzen sind oft stechende, unerträgliche Schmerzattacken im
Bereich von Augen, Stirn und Schläfe. Schuld ist eine Entzündung der
Blutgefäße hinter dem Auge. Solange diese Entzündung nicht abgeklungen ist,
treten die Schmerzen gehäuft auf (cluster = englisch = Häufung).
Die Attacken können mehrmals täglich kommen und 15 bis 90 Minuten dauern.
Der Schmerz ist immer einseitig, und wechselt, anders als bei der Migräne, fast
nie auf die andere Seite. Zwischen den Anfallsphasen sind die Patienten
beschwerdefrei.
Typische Begleiterscheinungen sind Augentränen, ein gerötetes Auge und
Nasenlaufen. Der Weg zum Arzt ist bei Clusterkopfschmerzen unumgänglich. Auf
keinen Fall zu Schmerzmitteln greifen! Die gängigen Wirkstoffe haben in diesem
Fall keinerlei Wirkung und schaden im Zweifel sogar.
Arztbesuch
Nicht jeder, der über Kopfschmerzen klagt, muss gleich einen Arzt aufsuchen.
Sind die Beschwerden jedoch sehr stark, oder treten häufiger als zehnmal im
Monat auf, sollte die Ursache abgeklärt werden. Ein ausführliches Gespräch
hilft, die richtige Diagnose zu finden.
In der ärztlichen Versorgung gibt es laut der DAK noch einigen
Nachholbedarf: 40 Prozent der Kopfschmerz- und nahezu ein Viertel der
Migränepatienten, wurden vom Arzt nicht auf die Risiken durch zu viele
Schmerzmittel hingewiesen. Darüber hinaus zeigt der DAK-Report
Verbesserungsmöglichkeiten bei der Behandlung von Migräne auf: Nur jeder
zweite Migränekranke erhält ein spezielles Migränemittel (Triptan).
Bevor Sie einen Arzt aufsuchen, sollten Sie sich folgende Fragen beantworten:
Wie lange haben Sie schon Schmerzen?
In welchen Situationen treten die Schmerzen auf?
Wie und wo genau spüren Sie den Schmerz?
Wer diese oder ähnliche Fragen beantworten soll, vergisst oft wichtige
Details. Abhilfe kann ein so genanntes Schmerztagebuch schaffen.
Kopfschmerztagebuch
Die beste Methode, dem Schmerz auf die Spur zu kommen, ist, sich selbst zu
beobachten - am besten über mehrere Wochen oder Monate. Ein Kopfschmerztagebuch
ist dabei eine große Hilfe. Durch das genaue Protokollieren geht keine
Beobachtung verloren. Je genauer die Betroffenen die Symptome beschreiben
können, desto eher lässt sich ein typisches Muster erkennen: Die Kopfschmerzen
treten kurz vor einem wichtigen Termin auf? Dann sind sie womöglich die Folge
von Stress oder angespannter Körperhaltung.
Zudem besteht mit dem Tagebuch die Möglichkeit, die Einnahme von
Schmerzmitteln effektiv zu kontrollieren. Gleichzeitig lassen sich anhand der
Beobachtungen mögliche Auslöser, wie etwa fehlender Schlaf oder bestimmte
Nahrungsmittel, erkennen. Sie können den Kalender unter folgendem Link
kostenlos downloaden: www.dak.de/kopfschmerztagebuch
Tipps zum Ausfüllen des Tagebuches:
Nehmen Sie sich Zeit: am besten täglich fünf Minuten.
Seien Sie genau: protokollieren Sie nicht nur wann Sie Schmerzen haben,
sondern auch wie stark diese sind.
Behalten Sie die Übersicht: versperren Sie sich nicht durch zu viele Details
den Blick auf das Wesentliche.
Seien Sie konsequent: machen Sie Ihre persönlichen Schmerzauslöser
(Lebensmittel, Getränke, Schlafmangel etc.) ausfindig.
Sport beugt Schmerzen vor
Sport aktiviert die körpereigene Schmerzabwehr. Bereits 30 Minuten Training
an drei Tagen pro Woche kann helfen, Kopfschmerzen vorzubeugen. Wissenschaftler
überprüften in einer Studie die vorbeugende Wirkung von Ausdauersport bei
Migräne. Erstaunliches Ergebnis: Bereits nach sechs Wochen ging es den
Patienten besser. Sie hatten nur noch halb so viele Attacken und die Intensität
der Schmerzen war deutlich gesunken.
Sport fördert die Durchblutung des Nervensystems, versorgt das Gehirn mit
Sauerstoff und aktiviert die körpereigenen Schmerzabwehrstoffe. Allerdings
sollte der Sport vorbeugend und nicht während der Schmerzphase erfolgen. Gerade
Migränepatienten reagieren auf Bewegung sehr empfindlich. Der Effekt ist dann
genau der Gegenteilige: jede Bewegung verstärkt den Schmerz.
Besonders Sportarten wie Joggen, Walken, Radfahren und Schwimmen eignen sich
als vorbeugende Maßnahmen. Die gleichmäßige Bewegung fördert Entspannung und
Stressabbau. Wichtig: Nicht zu verbissen vorgehen. Zu hartes Training oder zu
schnelle Bewegungen können sogar zusätzliche Attacken auslösen.
Eine besondere Form der Vorbeugung ist die progressive Muskelentspannung nach
Jacobson. Bei dieser Methode werden nacheinander alle Muskelpartien angespannt
und wieder gelockert. So kommt es zum aktiven Wahrnehmen von allen
Spannungszuständen. Das Ergebnis ist ein Gefühl der Wohlspannung, das
jederzeit wieder aktiv herbeigeführt werden kann.
Nie wieder "Bürokopfschmerzen"
Lärm, Hektik, Stress, aber auch die falsche Haltung beim Sitzen kann dazu
führen, dass der Schädel anfängt zu brummen. 29 Millionen Menschen in
Deutschland leiden laut der DAK immer wieder unter Spannungskopfschmerzen. Bei
vielen treten diese Beschwerden im Arbeitsalltag auf.
Flimmernde Monitore, trockene Raumluft oder falsche Büromöbel können
schuld am Kopfweh sein. Eine falsche Sitzhaltung führt zu Verspannungen im
Nacken- und Schulterbereich, wodurch Kopfschmerzen entstehen können.
„Richtig sitzt, wer beide Füße beim Arbeiten fest aufstellt und auf die
Sitzhöhe achtet“, erläutert DAK-Expertin, Sabine Winterstein. „Ober- und
Unterarme, sowie Ober- und Unterschenkel befinden sich dabei im rechten Winkel
zueinander.“ Um entspannt zu bleiben, sollte man außerdem öfter aufstehen,
zum Beispiel beim Telefonieren.
Muffige, verbrauchte Raumluft enthält viel Kohlendioxid, das macht müde und
verursacht Kopfweh. „Ausreichend Sauerstoff ist entscheidend für einen klaren
Kopf, deshalb sollte man auch im Winter das Büro am besten jede Stunde einmal
kräftig lüften“, empfiehlt Winterstein. „Grundsätzlich ist eine
Raumtemperatur zwischen 20 und 22 Grad Celsius optimal. Bei sommerlichen
Außentemperaturen kann diese auch mal höher liegen.“
Auch wenn es hektisch zugeht: Pausen nicht vergessen! Denn Bewegung macht den
Kopf frei und hilft, Stress abzubauen.
Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Warum haben Frauen ständig Kopfschmerzen und Männer höchstens mal einen
Kater? Eine Tatsache zumindest ist wissenschaftlich bewiesen: SIE ist
schmerzempfindlicher als ER. Verschiedene Experimente, beispielsweise an der Uni
Mainz zeigten, dass, ganz gleich ob Nadelstiche oder Eiswasser, bei allen Tests
Frauen früher Schmerzen signalisierten.
Nach Angabe des aktuellen DAK-Gesundheitsreports, leiden 17 Prozent der
befragten Frauen nach eigener Angabe innerhalb eines halben Jahres mindestens
einmal an Migräne. Nur sechs Prozent der Männer klagten über ähnliche
Symptome.
Jedoch gehen beide Geschlechter unterschiedlich mit ihrer Situation um:
Frauen sprechen über ihre Probleme und suchen Unterstützung. Sie gehen
häufiger mit ihren Beschwerden zum Arzt. Männer hingegen suchen seltener
ärztlichen Rat auf und schieben oft andere Gründe vor.
Dass Frauen häufiger an Kopfweh leiden, soll mit ihrem Hormonhaushalt
zusammenhängen. Das Absinken des Östrogenspiegels, z.B. kurz vor und während
der Menstruation, könne Kopfschmerzen begünstigen, so Schmerzforscher. Bei
rund fünf Prozent der Migränepatientinnen ist dies der Auslöser ihrer
Schmerzattacken.
Tapfer oder nicht, beide Geschlechter greifen gleich häufig zu Tabletten.
Laut Umfrage bekämpfen 63 Prozent der Frauen und 61 Prozent der Männer ihr
Leiden mit rezeptfreien Schmerzmitteln.
Frage der Einstellung - Helden leiden weniger
Wer sich als Held fühlt, kann Schmerzen tatsächlich besser aushalten.
Diesen Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung der eigenen Rolle und dem
Schmerzempfinden konnten jetzt Schweizer Wissenschaftler nachweisen. Sie ließen
Testpersonen in Rollenspielen entweder als Helden eine Prinzessin retten oder
aber als Feiglinge in einem Labyrinth eingesperrt sein. Ergebnis: Die
"Helden" tolerierten schmerzhaftere Reize als Kontrollpersonen. Bei
den "Feiglingen" sank die Schmerztoleranz dagegen sogar gegenüber dem
Kontroll-Durchschnitt.
Bereits seit langem bekannt ist, dass Schmerzen durch das enge Zusammenspiel
körperlicher und psychischer Faktoren entstehen. Die Forscher um Professor Gerd
Folkers vom Collegium Helveticum der Universität Zürich sehen mit dem
Studienergebnis nun aber auch ihre Vermutung bestätigt, dass das Erleben der
eigenen Rolle bestimmte Emotionen auslöst und verstärkt und eine Veränderung
der Rollenwahrnehmung somit Einfluss auf das Schmerzempfinden hat. Diese
Erkenntnis könnte nach ihrer Überzeugung auch Konsequenzen für die
therapeutische Praxis haben: "Rollenspielstrategien könnten daher von
großem Nutzen für neue Schmerzbehandlungen sein", sagt Folkers.
Erstes bundesweites Netzwerk zur Kopfschmerzbehandlung
Hamburg (dpa) - Die Techniker Krankenkasse (TK) und die Schmerzklinik Kiel
haben gemeinsam mit mehr als 140 niedergelassenen Ärzten das bundesweit erste
Netzwerk zur Behandlung von Kopfschmerzen gegründet.
Kopfschmerzen seien mit fast neun Millionen Betroffenen in Deutschland eine
echte Volkskrankheit, die in vielen Fällen nicht richtig therapiert werde,
sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der TK, Christoph Straub, in
Hamburg. Den 6,1 Millionen Versicherten der Kasse steht künftig deutschlandweit
ein Netzwerk - vom Neurochirurgen bis zum auf chronische Schmerzen
spezialisierten Arzt - zur Verfügung.
Straub erwartet von dem Projekt neben Kostensenkungen vor allem eine
deutliche Verbesserung der Lebenssituation für Schmerzpatienten. Seiner
Einschätzung nach werden sich schon bald andere Krankenkassen dem Netzwerk
anschließen. "Wir wollen mit unserem neuen Versorgungsangebot Patienten
mit chronischen Kopfschmerzen helfen, langfristig ohne Schmerzen zu leben und
wieder am Arbeitsleben teilzunehmen", sagte Straub.
Ein großes Problem für die Patienten sei, dass Kopfschmerzen häufig nicht
ernst genommen würden, bemängelte der Hamburger Schmerztherapeut Dietrich
Jungck. "Das Vorgehen der TK ist beispielgebend", sagte er. Nach
Angaben des Direktors der Schmerzklinik Kiel, Prof. Hartmut Göbel, dauert es
gerade bei jungen Menschen noch viel zu lange, bis sie zum Beispiel mit schwerer
Migräne eine gute Behandlung erhalten.
Nach einer Studie entsteht in Europa jedes Jahr wirtschaftlicher Schaden von
20 Milliarden Euro durch nicht angemessene Behandlung von Kopfschmerzpatienten.
In Deutschland stehen Kopfschmerzen mit 20 Milliarden Euro jährlich bei den
Behandlungskosten an dritter Stelle aller Krankheiten, sagte Göbel. Allein
durch Migräne gehen pro Jahr 270 Arbeitstage je 1000 Arbeitnehmer verloren,
durch Spannungskopfschmerz weitere 920 Arbeitstage.
Die Experten warnten eindringlich davor, immer wiederkehrende Kopfschmerzen
selbst mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln zu behandeln. Besonders
Kombinationspräparate mit mehreren Wirkstoffen könnten bei Dauergebrauch zu
schweren Nierenschäden führen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die
Medikamente Dauerkopfschmerzen auslösen. Wer an mehr als zehn Tagen im Monat
Kopfschmerzen habe, sollte unbedingt mit einem Arzt über Ursachen und
Behandlung sprechen. Sporadisch auftretende Kopfschmerzen könnten aber mit
einem einzelnem Wirkstoff (ASS, Ibuprofen oder Paracetamol) behandelt werden.
Ist
rauchen wirklich so gefährlich?
Wurde
bei den wissenschaftlichen Studien gegen das Rauchen etwas übersehen?
Sind
diese Studien überhaupt noch haltbar?
Von
Klaus-Peter Kolbatz (16. 12. 2000)
Vorwort:
Krebsstudien
bei Zigarettenraucher sind Besorgniserregend! Wobei hier die Betonung
auf „Zigarettenraucher“ liegt. Hier sind es dieChemikalien
im Zigarettenpapier/Filter die zur Steuerung der Brenngeschwindigkeit
und das Calciumcarbonat welches als Bleichmittel zugesetzt wird.
Besonders Krebserregend sind hier auch polyzyklischen
aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) zu nennen.
Diese Sorgen brauchen
Pfeifenraucher und Zigarrenraucher nicht haben. Entsprechend betrachte
ich die Krebsstudien als irreführend und das generelle Rauchverbot sollte
auch aus den nachfolgenden Gründen überdacht werden.
Im
Rahmen meiner Schmerz- und Drogenforschung stellte ich fest, dass bisher bei
allen Untersuchungen das wichtige "Glückshormon" Serotonin übersehen
wurde.
Serotonin
ist als "Glücksbotenstoff" des Gehirns bekannt und hat eine Reihe von
positive Wirkungen: Der Neurotransmitter unterdrückt die Ausbreitung bestimmter
Tumore, indem er Krebszellen dazu bringt, sich selbst zu zerstören. Das heißt,
ob das Rauchen tatsächlich so gefährlich ist, wie bisher angenommen, muss nach
meiner Feststellung dringend überdacht werden.
Seit
Urzeiten wurde in allen Völkern geraucht. Selbst in unserer Zeit können die
Studien mit folgenden Beispielen widerlegt werden:
Ignacio
Cubilla Banos lässt es zu seinem 111. Geburtstag mit einer Kubanischen Zigarre
qualmen. Er hat 11 Kinder, 40 Enkel und 15 Urenkel. Weiter...>
Johannes
Jopie Heesters, passionierter Zierrattenraucher, sang fröhlich auf seinem 107.
Geburtstag für seine Gäste. Weiter....>
Großbritannien:
113-Jähriger ist ältester Mann der Welt
Der
Brite Henry Allingham ist mit 113 Jahren offiziell, nach dem Tod des Japaners
Tomoji Tanabe, der älteste Mann auf diesem Planeten. Sein hohes Alter
begründete der Brite mit Lastern wie Trinken, Rauchen und Vorliebe für Frauen.
Die
älteste Frau der Welt raucht und ist 130 Jahre alt. Weiter....>
Faszination Rausch - Wie Nikotin wirkt
Beim Inhalieren wird das Nikotin über die Lungenbläschen
direkt vom Blut aufgenommen. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, Adrenalin
wird ausgeschüttet, der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt.
Rauchen hat somit einen stimulierenden Effekt.
Gefühle von Wohlbehangen bis hin zu Hochstimmung
Im Gehirn wirkt Nikotin direkt auf das Belohnungszentrum, den so
genannten Nucleus accumbens: Es setzt sich an die Rezeptoren des Nervensystems,
glücksfördernde Hormone, wie zum Beispiel Dopamin und Serotonin, werden
ausgeschüttet. Gefühle von Wohlbehangen bis hin zu Hochstimmung werden dadurch
ausgelöst.
Rauchen erhöht die Konzentrationsfähigkeit
Rauchen fördert zu einem gewissen Grad die Aufmerksamkeit. Denn
Nikotin setzt im Gehirn neben Dopamin und Serotonin auch Noradrenalin frei.
Dieser anregende Nervenbotenstoff steigert die Gehirnaktivität und erhöht so
die Konzentrationsfähigkeit.
Wohliges Kribbeln und angenehme Benommenheit
Ist der Körper nicht an das Nikotin gewöhnt, wird die Wirkung
des Rauchens oft als unangenehm empfunden. Der erhöhte Blutdruck kann zu einem
leichten Schwindelgefühl führen, das Raucher aber als wohliges Kribbeln und
angenehme Benommenheit empfinden.
Faszination Rausch - Tabakkonsum im Lauf der Jahrtausende
Schon im 5. Jahrhundert vor Christus waren unter den Bewohnern
Amerikas der Anbau und der Konsum der Tabakpflanze verbreitet. So wurden
beispielsweise Tabakblätter gekaut. Die Urform der Zigarre bestand aus
zusammengerollten kleineren Tabakblättern, die mit einem größeren Tabak- oder
Maisblatt umwickelt waren. Auch Pfeifen gab es in verschiedenen Variationen, die
bekannteste Form ist wohl die Friedenspfeife.
Rauchen zu spirituellen Zwecken
Der Gebrauch von Tabak diente nicht selten spirituellen oder
zeremoniellen Zwecken. Mit Hilfe der zum Himmel aufsteigenden Rauchschwaden
nahmen die Indianer Kontakt zu ihren Geistern auf. Tabak wurde darüber hinaus
auch als Arzneimittel, zum Beispiel zur Wunddesinfektion, sowie als alltägliche
Genussdroge verwendet.
Zier- und Heilpflanze
Mit der Entdeckung Amerikas kamen Tabakanbau und -konsum im 15.
Jahrhundert nach Europa. Im 16. Jahrhundert etablierte der französische
Gesandte Jean Nicot das Rauchen am französischen Hof. Nach ihm wurde der 1828
entdeckte wichtigste Wirkstoff des Tabaks, das Nikotin, benannt. Tabak wurde
einerseits als Zierpflanze kultiviert, andererseits wurde seine Heilwirkung
gerühmt. Als tatsächlich wirksam erwies er sich jedoch nur in wenigen
Anwendungsbereichen, zum Beispiel bei der Behandlung parasitärer
Hauterkrankungen. Daneben wurde die schmerzstillende und leicht euphorisierende
Wirkung des Tabaks medizinisch genutzt.
Tabaksteuer als wichtige Einnahmequelle
In Deutschland verbreiteten sich Pfeifen-, Kau- und Schnupftabak
sehr schnell durch die Soldaten während des Dreißigjährigen Krieges (1618
-1648). Allerdings war der legale Verkauf von Tabak nur Apotheken gestattet,
wenn dieser als Medizin verordnet war. Als "heidnische Sitte" wurde
der Tabakkonsum im 17. Jahrhundert aus moralischen Gründen sogar kurzzeitig
verboten. Verstöße dagegen wurden aber nicht ernsthaft strafrechtlich
verfolgt, wobei der Adel ohnehin ausdrücklich von den Rauchverboten ausgenommen
war. Generell konnten Verbote die Ausbreitung der Droge nicht verhindern, was
auch wirtschaftliche Gründe hatte: Mit der Einführung der Tabaksteuer im 18.
Jahrhundert, die bald eine wichtige staatliche Einnahmequelle darstellte, wurde
der Tabakkonsum legalisiert.
Erste Zigarettenmaschine auf der Pariser Weltausstellung 1867
Die Idee, Tabak in Papierblättchen zu rollen, kam übrigens
erstmals im 19. Jahrhundert In Spanien auf. 1867 wurde auf der Pariser
Weltausstellung die erste Zigarettenmaschine vorgestellt. Damit war der
Durchbruch für die Massenproduktion und somit auch für den Massenkonsum
geschaffen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nahm der Tabakkonsum ständig
zu und wurde zu einer gewohnten Erscheinung des täglichen Lebens.
Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden?
Mehr und mehr verbreiteten sich jedoch in der Öffentlichkeit
medizinische Erkenntnisse, wie schädlich Rauchen für die Gesundheit ist. Vor
allem in den letzten Jahren wendete sich die allgemeine Einstellung Zigaretten
gegenüber zum Negativen. Derzeit diskutieren die Bundesländer über ein
Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden.
Ob hier auch Psychologen gefragt wurden möchte ich anzuzweifeln
und die Depressionsrate bis hin zu Burn-out- Syndrome dürfte entsprechend
steigen. Und noch etwas was nachdenklich macht: Johannes Heesters feierte 2010
mit 107 Jahren sein 88- jähriges Bühnenjubiläum. Ist Zigarettenrauer seit
seinem 16. Lebensjahr.
Wissenschaftler fanden heraus, dass
Gehirne älterer Menschen effektiver arbeiten. Warum lernen Jugendliche dennoch
schneller?
Foto: Johannes
Heesters feierte 2007 mit 104 Jahren sein 85- jähriges Bühnenjubiläum. Ist
Zigarettenrauer seit seinem 16. Lebensjahr.
Synapsen bestimmten Lernverhalten
Oxford/Graz (pte) - Forscher der University of
Oxford http://www.ox.ac.uk haben nachgewiesen, warum junge Menschen leichter
lernen als ältere. Der Grund dafür ist, dass das Gehirn Erinnerungen
verschieden abspeichert. So nehmen junge Gehirne beispielsweise Informationen
leichter auf, ältere speichern die Informationen jedoch effektiver ab. Für die
Wissenschaft bedeute dies einen neuen interessanten Ansatz, weitere
Untersuchungen seien aber notwendig, so die Forscher.
Genau untersucht wurde das Nervensystem von
jungen und alten Ratten, wobei genau auf die Aktivität der Synapsen geachtet
wurde. So wurde festgestellt, dass die so genannten 'stillen Synapsen' hauptsächlich
bei jungen Menschen während der Speicherung von Informationen auftreten. Diese
Synapsen nehmen aber mit zunehmendem Alter ab, wodurch die Speicherung von
Informationen - also das Lernen - schwieriger wird. Für ältere Menschen sei
das Lernen jedoch nicht so wichtig, sondern eher das Abrufen gespeicherter
Informationen. Dies wird jedoch oft durch die doppelte oder mehrfache Verwendung
bestimmter Gehirnteile erschwert.
Dass es einen Zusammenhang zwischen der Lernfähigkeit
und dem Gehirn gibt, bestätigt auch Aljoscha Neubauer vom psychologischen
Institut der Universität Graz http://www.uni-graz.at im Gespräch mit
Pressetext. "Die Flexibilität und Plastizität der Nervenverbindungen im
Gehirn nehmen mit zunehmenden Alter ab, wodurch die Lernfähigkeit beeinträchtigt
wird", erklärt Neubauer gegenüber Pressetext. Diese Defizite werden aber
für gewöhnlich durch die so genannte Lebenserfahrung ausgeglichen, die ein
unglaubliches Potenzial besitzt. "Im groben kann man sagen, die Leistungen
im kognitiven Bereich nehmen nicht ab, sondern ändern sich mit zunehmenden
Alter", erklärt Neubauer abschließend.
Burn-out-Syndrom.
- Infarkt der Seele -
Psychologie & Hilfe. Business & Karriere. 2.
Auflage - wie
ich aus meiner inneren Leere wieder heraus kam -.
Klaus-Peter Kolbatz, Book on Demand - 184 Seiten; Erscheinungsdatum: 2008,
ISBN: 9783837065213;
Kriegskinder
- Bombenhagel überlebt, Karriere gemacht
und mit Burn-out bezahlt. - Klaus-Peter
Kolbatz, Book on Demand - 180 Seiten; Erscheinungsdatum: 2006, ISBN;
3-8334-4074-0