Seit ihrer Kindheit leidet sie unter Migräne, besuchte einen Arzt nach dem
anderen, versuchte Schmerztherapien und Akupunktur. "Während der
Schwangerschaft war es besonders schlimm", sagt die 37-jährige
Hamburgerin. Mit Schmerzmitteln versuchte sie, sich fit zu halten. "Man
kann sich ja nicht ständig krankmelden. Man muss ja funktionieren." Doch
der Kopfschmerz wurde immer nur schlimmer.
Für Ulrike Bingel, Neurologin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE),
ein typischer Fall. Denn was viele Kopfschmerz-Patienten nicht wissen: Durch
übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln oder Medikamenten gegen Migräne (Triptane)
kann sich ein Dauerkopfschmerz entwickeln. "Das ist, als würden Sie auf
ein Gaspedal drücken", erklärt Ulrike Bingel, die die 37-Jährige in der
Kopfschmerzsprechstunde am UKE betreut.
"Nach einer Studie der Deutschen Migräne-und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)
leiden bis zu zwei Prozent der Bevölkerung an solchen medikamenteninduzierten
Kopfschmerzen", sagt Prof. Andreas Straube, Neurologe an der Universität
München und DMKG-Vizepräsident. Davon seien etwa 80 Prozent vor allem
Migränepatienten und 20 Prozent Patienten mit chronischem Spannungskopfschmerz.
Denn solche durch Medikamente verstärkte Schmerzen treten nur bei Patienten
auf, die bereits an einem primären Kopfschmerz leiden.
Ab wann ein Übergebrauch zu Dauerkopfschmerz führt, ist Straube zufolge
unterschiedlich. Die DMKG rate deshalb in ihren Leitlinien, Medikamente gegen
Kopfschmerzen nicht häufiger als zehn Tage im Monat und nicht länger als drei
Tage in Folge einzunehmen.
Vor allem Migränepatienten mit einem hohen Leistungsbewusstsein, die auch
vorbeugend Schmerzmittel vor einem wichtigen beruflichen Termin nehmen, seien
betroffen, sagt Straube. "Man rutscht da schnell rein, aus Angst vor
Kopfschmerzen", bestätigt die Mutter aus der Hamburger
Kopfschmerzsprechstunde, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will:
"Migräne gilt ja bei vielen Arbeitgebern immer noch als nicht ernst zu
nehmende Frauenkrankheit", so ihre Erfahrung.
Verlässt sich der Patient nur auf Medikamente, steigt das Risiko, einen
Dauerkopfschmerz zu entwickeln. Der kann sich je nach Medikament von den
ursprünglichen Kopfschmerzen unterscheiden: Der typische Migräne-Kopfschmerz
ist einseitig, klopfend und pulsierend. Werden Triptane zu oft eingenommen,
erhöht sich die Frequenz der Migräne-Attacken, erklärt Ulrike Bingel. Bei
Übergebrauch von Schmerzmitteln wie Paracetamol kommt ein dumpf drückender
Kopfschmerz hinzu wie der klassische Spannungskopfschmerz.
Was im Körper passiert, wenn zu viel Medikamente gegen den Kopfschmerz
genommen werden, sei noch nicht genau erforscht, erklärt Straube. Es werde aber
vermutet, dass es zu einer Art Übersensibilisierung im Nervensystem kommt, das
Kopf und Gesicht versorgt, sagt Ulrike Bingel.
Um herauszufinden, ob sie an einem durch Schmerzmittel verursachten
Kopfschmerz leiden, sollten Patienten deshalb ein Schmerztagebuch führen. Darin
wird festgehalten, welche Medikamente gegen die Kopfschmerzen eingenommen werden
und ob sie überhaupt geholfen haben. "Denn nicht selten nehmen Patienten
Schmerzmedikamente ein, von denen sie sagen, dass sie eigentlich gar nicht mehr
helfen", sagt Kolbatz.
Entwickelt sich ein Dauerkopfschmerz, hilft nur noch eine strikte
Einnahmepause von etwa 8 bis 10 Tagen: "Etwa 80 Prozent der Patienten geht
es danach besser", sagt Kolbatz. Auch die eigentlichen Migräne-Attacken
treten seltener auf. Allerdings müssen die Patienten damit zurechtkommen, dass
sie in den ersten Tagen des Entzugs sogar noch stärkere Kopfschmerzen mit
einhergehenden Gliederschmerzen haben als
sonst.
Wer sich stark genug fühlt, kann eine Medikamentenpause ambulant versuchen
und die Einnahme der morgendlichen ersten Schmerztablette, schrittweise immer
weiter hinaus ziehen. Betroffenen, die zum Beispiel bereits rückfällig
geworden sind, empfiehlt Kolbatz eine stationäre Behandlung. Bei dieser werden
typische Migräne-Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen durch
Infusionen gelindert. Mit Kortison könnten die Schmerzen während des Entzugs
behandelt werden. In manchen Fällen werden auch Antidepressiva verschrieben, um
den Entzug zu erleichtern, sagt Privatdozent Peter Kropp, Psychologischer
Psychotherapeut an der Universität Rostock und Generalsekretär der DMKG.
Um es überhaupt nicht soweit kommen zu lassen, sollten die Patienten ihre
Migräne auch mit nicht-medikamentösen Alternativen angehen. "Hierbei
können auch die Fakir - Methoden beitragen", sagt Kolbatz. Die
Migräne-Prophylaxe sieht neben zusätzlichen Medikamenten wie Beta-Blockern
auch Entspannungstechniken vor. Dazu gehören Progressive Muskelrelaxation,
Biofeedback oder kognitive Verhaltenstherapien.
Dabei lernen die Betroffenen, sich auf bestimmte Körpersignale zu
konzentrieren, erklärt Kropp. "Ihnen wird der Sinn dafür geschärft, dass
sie bestimmte Signale wahrnehmen können." Entspannungstechniken müssen
Migräne-Patienten in schmerzfreien Phasen einüben. Auch Ausdauersport hilft
Studien zufolge. "Sport führt zu einer Reduktion der Migräne-Attacken von
40 bis 50 Prozent."
Wege zum Stressmanagement und eine Verhaltenstherapie seien aber ein
wichtiger Baustein in der Migräneprophylaxe. "Denn der typische
Migräne-Patient ist ein Perfektionist, der angestrengt versucht, Fehler zu
vermeiden", erklärt Kropp. Deswegen seien Techniken zur Entspannung und
Selbstwahrnehmung so wichtig. Er ist überzeugt, dass Patienten die Zahl der
Migräne-Anfälle mit der richtigen Prophylaxe reduzieren können. "Man
kann Migräne zwar nicht heilen, aber auf jeden Fall bewältigen."
Diese Hoffnung hat auch die Patientin von Ulrike Bingel: Die 37-jährige
Mutter setzt nach ihrem letzten Entzug auf Alternativen. "Ich will ja
eigentlich keine Medikamente nehmen", sagt sie. Stattdessen möchte sie
ihre Kopfschmerzen mit Entspannung in den Griff bekommen.
Bei Senioren unzureichend
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Ältere Menschen müssen oftmals unnötigerweise große Schmerzen aushalten.
In Pflegeheimen klagen 45 bis 80 Prozent aller Bewohner über anhaltende
Schmerzen, wie der Mediziner Andreas Kopf von der Berliner Charité berichtet.
Aber nur 20 Prozent von ihnen werden nach seinen Angaben auch tatsächlich mit
Schmerzmitteln behandelt: "Viele Ärzte und Pfleger sind sicher der
Häufigkeit von Schmerzen und der Notwendigkeit ihrer Behandlung nicht
bewusst", kritisiert der Experte. Hinweise auf Schmerzen würden im
Patientengespräch oft nicht wahrgenommen.
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Dies liegt laut Kopf auch daran, dass bei älteren Patienten neben der
eigentlichen Erkrankung durchschnittlich noch fünf Nebendiagnosen mit
durchschnittlich sieben Medikamenten behandelt werden: "Eine derart
komplexe Therapie verstellt oft den Blick auf den Schmerz." Bei dementen
Patienten kämen Einschränkungen der geistigen Funktionen hinzu, die die
Kommunikation zusätzlich erschwerten. Kopf empfiehlt, gezielter nach Schmerzen
zu fragen und auf entsprechende Anzeichen besser zu achten. Die häufigsten
Schmerzursachen bei Senioren sind nach Angaben des Mediziners
Wirbelsäulendegenerationen, Arthrose und Arthritis, diabetische
Nervenschädigungen, Gürtelrosenerkrankung und Tumoren.
Psychisch krank durch Erreger
Ulm/Magdeburg . Die 31-jährige Frau war für die Ärzte ein hoffnungsloser
Fall: Müdigkeit, Depressionen und Selbstmordgedanken peinigten sie in rascher
Folge. Kein Medikament half dagegen. Nicht einmal in der psychiatrischen Klinik
besserte sich ihr Zustand nennenswert. Ein Arzt diagnostizierte schließlich
eine «therapieresistente Depression».
Doch zum Glück hat er sich getäuscht. Dank Antibiotika ist die Frau
inzwischen gesund und arbeitet seit vier Jahren wieder. Die heilenden Pillen hat
ihr der Arzt Karl Bechter verordnet. Der
Spezialist für psychische Erkrankungen vom Bezirkskrankenhaus der
Universität Ulm schöpfte Verdacht, nachdem er im Blut Antikörper gegen
Streptokokken und Anzeichen einer chronischen Infektion bemerkte.
Er vermutet, dass die Patientin zwei Jahre lang an einer wellenartig
wiederkehrenden Erkrankung durch die Bakterien litt. Das habe die Depression
hervorgerufen. «Psychische Erkrankungen sind in einigen Fällen eine Folge von
Abwehrkämpfen des Immunsystems», ist Bechter überzeugt. Eine ungewöhnliche
These, die er anhand der Krankheitsgeschichte der 31-jährigen Patientin
bestätigen konnte.
Depressiv und schizophren durch Bakterien und Viren? Früher suchte man die
Ursache psychischer Leiden in erster Linie im sozialen Umfeld, in der Kindheit
und der Erziehung. «Generationen von Eltern haben sich Vorwürfe gemacht. Aber
die Familie spielt als Auslöser überhaupt keine Rolle», räumt Bernhard
Bogerts, Psychiater an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, mit
diesem Klischee auf. Die Mitmenschen beeinflussen zwar den Verlauf der
Erkrankung, aber die Wurzel des Übels sind sie nicht. Die Ursachen sieht der
Mediziner andernorts: Die Gene, vorgeburtliche Hirnstörungen und ein aus dem
Tritt geratenes Immunsystem «spielen dabei eine wichtige Rolle», so Bogerts.
Gerade schleichende und chronische Entzündungen lenken das Immunsystem auf die
schiefe Bahn.
«Wir haben für mindestens 13 Erreger Hinweise, dass sie mit psychischen
Erkrankungen in Verbindung stehen», führt Bechter aus. Neben Streptokokken
gehören Borrelien dazu, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden.
Jahre nach dem Biss habe sich die Infektion bei einigen Patienten mit einer
Depression gemeldet, berichtet Bechter.
Auf der Liste der Verdächtigen stehen auch Herpes- sowie HI-Viren und
Chlamydien, die beim Sex übertragen werden. «Es sind sogar Erreger dabei, die
als nicht besonders gefährlich gelten, die sich aber im Nervensystem
einnisten.» Aus ihrem Versteck heraus können sie ein tückisches Spiel
treiben.
Wie die Erreger den Menschen in die psychische Krankheit treiben, ist
allerdings bislang nicht geklärt. Bei Aids-Patienten, die an einer Depression
litten, fand man nach ihrem Tod, dass der Eiweißstoff Kynureninsäure in ihrem
Gehirn abnormal verändert war. Dadurch wird der Informationsaustausch zwischen
den Neuronen gestört. «Bei HIV-Patienten sind bestimmte Zellen des Gehirns
voll mit Viren», betont Bechter.
Auch andere Erreger hinterlassen Spuren im Gehirn: Das Borna-Virus schädigt
Nervenzellen und Zellgewebe im Gehirn, wie bei Depressiven und Schizophrenen
nachgewiesen wurde. Auch die Nervenzellfortsätze werden von diesem Virus in die
Mangel genommen. Bechter konnte einigen Patienten helfen, indem er einen Teil
der Bakterien und Viren aus ihrem Nervenwasser filterte.
Doch die Psychoneuroimmunologen kommen nur langsam voran bei der Suche nach
weiteren Indizien. Sie müssen auf verstorbene psychisch Kranke hoffen, deren
Angehörige einwilligen, das Gehirn auf mögliche Virusrelikte oder Zeichen
einer Entzündung zu durchsuchen. Im neuropathologischen Labor von Bogerts
werden derzeit Schädel von manisch Depressiven, Schizophrenen und
Selbstmordopfern analysiert.
«Der Nachweis ist sehr schwierig», klagt Bogerts. Denn längst nicht jede
Infektion lastet für immer auf der Seele. Nur ein sehr kleiner Teil der
Menschen schleppt die Erkrankung dauerhaft mit sich herum und bekommt
schließlich ein psychisches Leiden. «Erreger spielen bei einem bedeutenden
Prozentsatz der Patienten eine Rolle. Aber das Bakterium »Schizokokkus«, das
von heute auf morgen wahnsinnig macht, gibt es nicht», unterstreicht Bogerts.
Depressionen und Schizophrenien sind uneinheitliche Erkrankungen. Der Einfluss
verschiedener Erreger könnte eine Erklärung dafür liefern.
Kopfschmerzen werden nicht als Krankheit gesehen. Das ergab eine
repräsentative Umfrage anlässlich des DAK Gesundheitsreports 2007 unter 3000
Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren.
Mehr als die Hälfte aller Deutschen litt im letzen Jahr unter Kopfschmerzen.
Dennoch gehen viele den Ursachen nicht auf den Grund, tun ihr Leiden als
Befindlichkeitsstörung ab und greifen lieber zum rezeptfreien Schmerzmittel.
Eine Anerkennung von Kopfschmerzen als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem
ist jedoch der erste Schritt zu einer erfolgreichen Behandlung. Hier erfahren
Sie alles über die verschiedenen Kopfschmerzarten und wirksame Methoden, dem
Leiden aktiv vorzubeugen.
Schmerzmittel können auch Schmerzen auslösen
Wer mehr als zehn Tage im Monat und länger als drei Tage in Folge zu
Schmerztabletten greift, riskiert, an einem so genannten medikamenteninduzierten
Kopfschmerz zu erkranken. Dabei verstellt die ständige Zufuhr von
schmerzhemmenden Substanzen die körpereigenen Schmerzregler.
Schmerzinformationen werden nicht mehr gefiltert, sondern strömen ungehindert
in das Bewusstsein. Dadurch werden Medikamente selbst zu Schmerzauslösern.
Ein Teufelskreis entsteht: Der Patient hat Angst vor dem nächsten
Schmerzanfall und nimmt häufiger Tabletten ein, oft sogar, wenn der Kopfschmerz
noch gar nicht da ist. Langfristig erweist sich dieses Verhalten als fatal, denn
die Kopfschmerzanfälligkeit nimmt mit jeder weiteren Einnahme zu.
Die Folge: ein Dauerkopfschmerz entsteht. Um diesen Teufelskreis zu
durchbrechen, müssen Betroffene zwei bis acht Wochen ganz auf Schmerzmittel
verzichten. Der Patient sollte die Medikamentenpause mit seinem Arzt abklären,
denn bereits wenige Stunden nach dem Einnahmestopp beginnt der Absetzschmerz.
Nach 14 Tagen lindern sich die Entzugserscheinungen jedoch wieder.
Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz
Migräne
Migräneschmerz ist meist einseitig, pulsierend und sehr stark. Ganz typisch:
der Schmerz breitet sich langsam aus oder wandert von einer Seite zur anderen (migrare
= lateinisch: wandern). Die häufigsten Begleiterscheinungen sind Übelkeit,
Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit.
Migräne kann sich schon ein bis zwei Tage vor dem Anfall ankündigen.
Häufig haben Betroffene Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel, sind müde und
rastlos.
Migräne ist nicht heilbar und wird angeboren. Man kann sie jedoch mit
speziellen Schmerzmitteln bekämpfen. So genannte Triptane wirken nur bei
Migräne und müssen vom Arzt verschrieben werden. Als hilfreich erweisen sich
auch Entspannungsübungen oder Akupunktur.
Spannungskopfschmerz
Spannungskopfschmerzen haben die meisten schon einmal erlebt. Sie treten in
der Regel beidseitig auf. Betroffene sprechen auch von einem "Druck im
Kopf". Häufig zieht sich der Schmerz vom Nacken über den Kopf zur Stirn.
Kopf- und Nackenmuskulatur können dabei sehr schmerzempfindlich sein.
In der Regel werden die Schmerzen durch physischen und psychischen Stress
ausgelöst. Besonders treten sie durch Muskelverspannungen im Nacken- und
Schulterbereich sowie im Bereich der Augen- und Gesichtsmuskeln auf.
Zwar lassen sich Spannungskopfschmerzen meist durch Einnahme von rezeptfreien
Schmerzmittel eindämmen, aber genau darin liegt auch die Gefahr. Der
übermäßige Konsum dieser Mittel kann chronische Schmerzen verursachen.
Clusterkopfschmerzen
Clusterkopfschmerzen sind oft stechende, unerträgliche Schmerzattacken im
Bereich von Augen, Stirn und Schläfe. Schuld ist eine Entzündung der
Blutgefäße hinter dem Auge. Solange diese Entzündung nicht abgeklungen ist,
treten die Schmerzen gehäuft auf (cluster = englisch = Häufung).
Die Attacken können mehrmals täglich kommen und 15 bis 90 Minuten dauern.
Der Schmerz ist immer einseitig, und wechselt, anders als bei der Migräne, fast
nie auf die andere Seite. Zwischen den Anfallsphasen sind die Patienten
beschwerdefrei.
Typische Begleiterscheinungen sind Augentränen, ein gerötetes Auge und
Nasenlaufen. Der Weg zum Arzt ist bei Clusterkopfschmerzen unumgänglich. Auf
keinen Fall zu Schmerzmitteln greifen! Die gängigen Wirkstoffe haben in diesem
Fall keinerlei Wirkung und schaden im Zweifel sogar.
Arztbesuch
Nicht jeder, der über Kopfschmerzen klagt, muss gleich einen Arzt aufsuchen.
Sind die Beschwerden jedoch sehr stark, oder treten häufiger als zehnmal im
Monat auf, sollte die Ursache abgeklärt werden. Ein ausführliches Gespräch
hilft, die richtige Diagnose zu finden.
In der ärztlichen Versorgung gibt es laut der DAK noch einigen
Nachholbedarf: 40 Prozent der Kopfschmerz- und nahezu ein Viertel der
Migränepatienten, wurden vom Arzt nicht auf die Risiken durch zu viele
Schmerzmittel hingewiesen. Darüber hinaus zeigt der DAK-Report
Verbesserungsmöglichkeiten bei der Behandlung von Migräne auf: Nur jeder
zweite Migränekranke erhält ein spezielles Migränemittel (Triptan).
Bevor Sie einen Arzt aufsuchen, sollten Sie sich folgende Fragen beantworten:
Wie lange haben Sie schon Schmerzen?
In welchen Situationen treten die Schmerzen auf?
Wie und wo genau spüren Sie den Schmerz?
Wer diese oder ähnliche Fragen beantworten soll, vergisst oft wichtige
Details. Abhilfe kann ein so genanntes Schmerztagebuch schaffen.
Kopfschmerztagebuch
Die beste Methode, dem Schmerz auf die Spur zu kommen, ist, sich selbst zu
beobachten - am besten über mehrere Wochen oder Monate. Ein Kopfschmerztagebuch
ist dabei eine große Hilfe. Durch das genaue Protokollieren geht keine
Beobachtung verloren. Je genauer die Betroffenen die Symptome beschreiben
können, desto eher lässt sich ein typisches Muster erkennen: Die Kopfschmerzen
treten kurz vor einem wichtigen Termin auf? Dann sind sie womöglich die Folge
von Stress oder angespannter Körperhaltung.
Zudem besteht mit dem Tagebuch die Möglichkeit, die Einnahme von
Schmerzmitteln effektiv zu kontrollieren. Gleichzeitig lassen sich anhand der
Beobachtungen mögliche Auslöser, wie etwa fehlender Schlaf oder bestimmte
Nahrungsmittel, erkennen. Sie können den Kalender unter folgendem Link
kostenlos downloaden: www.dak.de/kopfschmerztagebuch
Tipps zum Ausfüllen des Tagebuches:
Nehmen Sie sich Zeit: am besten täglich fünf Minuten.
Seien Sie genau: protokollieren Sie nicht nur wann Sie Schmerzen haben,
sondern auch wie stark diese sind.
Behalten Sie die Übersicht: versperren Sie sich nicht durch zu viele Details
den Blick auf das Wesentliche.
Seien Sie konsequent: machen Sie Ihre persönlichen Schmerzauslöser
(Lebensmittel, Getränke, Schlafmangel etc.) ausfindig.
Sport beugt Schmerzen vor
Sport aktiviert die körpereigene Schmerzabwehr. Bereits 30 Minuten Training
an drei Tagen pro Woche kann helfen, Kopfschmerzen vorzubeugen. Wissenschaftler
überprüften in einer Studie die vorbeugende Wirkung von Ausdauersport bei
Migräne. Erstaunliches Ergebnis: Bereits nach sechs Wochen ging es den
Patienten besser. Sie hatten nur noch halb so viele Attacken und die Intensität
der Schmerzen war deutlich gesunken.
Sport fördert die Durchblutung des Nervensystems, versorgt das Gehirn mit
Sauerstoff und aktiviert die körpereigenen Schmerzabwehrstoffe. Allerdings
sollte der Sport vorbeugend und nicht während der Schmerzphase erfolgen. Gerade
Migränepatienten reagieren auf Bewegung sehr empfindlich. Der Effekt ist dann
genau der Gegenteilige: jede Bewegung verstärkt den Schmerz.
Besonders Sportarten wie Joggen, Walken, Radfahren und Schwimmen eignen sich
als vorbeugende Maßnahmen. Die gleichmäßige Bewegung fördert Entspannung und
Stressabbau. Wichtig: Nicht zu verbissen vorgehen. Zu hartes Training oder zu
schnelle Bewegungen können sogar zusätzliche Attacken auslösen.
Eine besondere Form der Vorbeugung ist die progressive Muskelentspannung nach
Jacobson. Bei dieser Methode werden nacheinander alle Muskelpartien angespannt
und wieder gelockert. So kommt es zum aktiven Wahrnehmen von allen
Spannungszuständen. Das Ergebnis ist ein Gefühl der Wohlspannung, das
jederzeit wieder aktiv herbeigeführt werden kann.
Nie wieder "Bürokopfschmerzen"
Lärm, Hektik, Stress, aber auch die falsche Haltung beim Sitzen kann dazu
führen, dass der Schädel anfängt zu brummen. 29 Millionen Menschen in
Deutschland leiden laut der DAK immer wieder unter Spannungskopfschmerzen. Bei
vielen treten diese Beschwerden im Arbeitsalltag auf.
Flimmernde Monitore, trockene Raumluft oder falsche Büromöbel können
schuld am Kopfweh sein. Eine falsche Sitzhaltung führt zu Verspannungen im
Nacken- und Schulterbereich, wodurch Kopfschmerzen entstehen können.
„Richtig sitzt, wer beide Füße beim Arbeiten fest aufstellt und auf die
Sitzhöhe achtet“, erläutert DAK-Expertin, Sabine Winterstein. „Ober- und
Unterarme, sowie Ober- und Unterschenkel befinden sich dabei im rechten Winkel
zueinander.“ Um entspannt zu bleiben, sollte man außerdem öfter aufstehen,
zum Beispiel beim Telefonieren.
Muffige, verbrauchte Raumluft enthält viel Kohlendioxid, das macht müde und
verursacht Kopfweh. „Ausreichend Sauerstoff ist entscheidend für einen klaren
Kopf, deshalb sollte man auch im Winter das Büro am besten jede Stunde einmal
kräftig lüften“, empfiehlt Winterstein. „Grundsätzlich ist eine
Raumtemperatur zwischen 20 und 22 Grad Celsius optimal. Bei sommerlichen
Außentemperaturen kann diese auch mal höher liegen.“
Auch wenn es hektisch zugeht: Pausen nicht vergessen! Denn Bewegung macht den
Kopf frei und hilft, Stress abzubauen.
Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Warum haben Frauen ständig Kopfschmerzen und Männer höchstens mal einen
Kater? Eine Tatsache zumindest ist wissenschaftlich bewiesen: SIE ist
schmerzempfindlicher als ER. Verschiedene Experimente, beispielsweise an der Uni
Mainz zeigten, dass, ganz gleich ob Nadelstiche oder Eiswasser, bei allen Tests
Frauen früher Schmerzen signalisierten.
Nach Angabe des aktuellen DAK-Gesundheitsreports, leiden 17 Prozent der
befragten Frauen nach eigener Angabe innerhalb eines halben Jahres mindestens
einmal an Migräne. Nur sechs Prozent der Männer klagten über ähnliche
Symptome.
Jedoch gehen beide Geschlechter unterschiedlich mit ihrer Situation um:
Frauen sprechen über ihre Probleme und suchen Unterstützung. Sie gehen
häufiger mit ihren Beschwerden zum Arzt. Männer hingegen suchen seltener
ärztlichen Rat auf und schieben oft andere Gründe vor.
Dass Frauen häufiger an Kopfweh leiden, soll mit ihrem Hormonhaushalt
zusammenhängen. Das Absinken des Östrogenspiegels, z.B. kurz vor und während
der Menstruation, könne Kopfschmerzen begünstigen, so Schmerzforscher. Bei
rund fünf Prozent der Migränepatientinnen ist dies der Auslöser ihrer
Schmerzattacken.
Tapfer oder nicht, beide Geschlechter greifen gleich häufig zu Tabletten.
Laut Umfrage bekämpfen 63 Prozent der Frauen und 61 Prozent der Männer ihr
Leiden mit rezeptfreien Schmerzmitteln.
Frage der Einstellung - Helden leiden weniger
Wer sich als Held fühlt, kann Schmerzen tatsächlich besser aushalten.
Diesen Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung der eigenen Rolle und dem
Schmerzempfinden konnten jetzt Schweizer Wissenschaftler nachweisen. Sie ließen
Testpersonen in Rollenspielen entweder als Helden eine Prinzessin retten oder
aber als Feiglinge in einem Labyrinth eingesperrt sein. Ergebnis: Die
"Helden" tolerierten schmerzhaftere Reize als Kontrollpersonen. Bei
den "Feiglingen" sank die Schmerztoleranz dagegen sogar gegenüber dem
Kontroll-Durchschnitt.
Bereits seit langem bekannt ist, dass Schmerzen durch das enge Zusammenspiel
körperlicher und psychischer Faktoren entstehen. Die Forscher um Professor Gerd
Folkers vom Collegium Helveticum der Universität Zürich sehen mit dem
Studienergebnis nun aber auch ihre Vermutung bestätigt, dass das Erleben der
eigenen Rolle bestimmte Emotionen auslöst und verstärkt und eine Veränderung
der Rollenwahrnehmung somit Einfluss auf das Schmerzempfinden hat. Diese
Erkenntnis könnte nach ihrer Überzeugung auch Konsequenzen für die
therapeutische Praxis haben: "Rollenspielstrategien könnten daher von
großem Nutzen für neue Schmerzbehandlungen sein", sagt Folkers.
Erstes bundesweites Netzwerk zur Kopfschmerzbehandlung
Hamburg (dpa) - Die Techniker Krankenkasse (TK) und die Schmerzklinik Kiel
haben gemeinsam mit mehr als 140 niedergelassenen Ärzten das bundesweit erste
Netzwerk zur Behandlung von Kopfschmerzen gegründet.
Kopfschmerzen seien mit fast neun Millionen Betroffenen in Deutschland eine
echte Volkskrankheit, die in vielen Fällen nicht richtig therapiert werde,
sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der TK, Christoph Straub, in
Hamburg. Den 6,1 Millionen Versicherten der Kasse steht künftig deutschlandweit
ein Netzwerk - vom Neurochirurgen bis zum auf chronische Schmerzen
spezialisierten Arzt - zur Verfügung.
Straub erwartet von dem Projekt neben Kostensenkungen vor allem eine
deutliche Verbesserung der Lebenssituation für Schmerzpatienten. Seiner
Einschätzung nach werden sich schon bald andere Krankenkassen dem Netzwerk
anschließen. "Wir wollen mit unserem neuen Versorgungsangebot Patienten
mit chronischen Kopfschmerzen helfen, langfristig ohne Schmerzen zu leben und
wieder am Arbeitsleben teilzunehmen", sagte Straub.
Ein großes Problem für die Patienten sei, dass Kopfschmerzen häufig nicht
ernst genommen würden, bemängelte der Hamburger Schmerztherapeut Dietrich
Jungck. "Das Vorgehen der TK ist beispielgebend", sagte er. Nach
Angaben des Direktors der Schmerzklinik Kiel, Prof. Hartmut Göbel, dauert es
gerade bei jungen Menschen noch viel zu lange, bis sie zum Beispiel mit schwerer
Migräne eine gute Behandlung erhalten.
Nach einer Studie entsteht in Europa jedes Jahr wirtschaftlicher Schaden von
20 Milliarden Euro durch nicht angemessene Behandlung von Kopfschmerzpatienten.
In Deutschland stehen Kopfschmerzen mit 20 Milliarden Euro jährlich bei den
Behandlungskosten an dritter Stelle aller Krankheiten, sagte Göbel. Allein
durch Migräne gehen pro Jahr 270 Arbeitstage je 1000 Arbeitnehmer verloren,
durch Spannungskopfschmerz weitere 920 Arbeitstage.
Die Experten warnten eindringlich davor, immer wiederkehrende Kopfschmerzen
selbst mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln zu behandeln. Besonders
Kombinationspräparate mit mehreren Wirkstoffen könnten bei Dauergebrauch zu
schweren Nierenschäden führen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die
Medikamente Dauerkopfschmerzen auslösen. Wer an mehr als zehn Tagen im Monat
Kopfschmerzen habe, sollte unbedingt mit einem Arzt über Ursachen und
Behandlung sprechen. Sporadisch auftretende Kopfschmerzen könnten aber mit
einem einzelnem Wirkstoff (ASS, Ibuprofen oder Paracetamol) behandelt werden.
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Alt und effektiv
Wissenschaftler fanden heraus, dass
Gehirne älterer Menschen effektiver arbeiten. Warum lernen Jugendliche dennoch
schneller?
Foto: Johannes
Heesters feierte 2007 mit 104 Jahren sein 85- jähriges Bühnenjubiläum. Ist
Zigarettenrauer seit seinem 16. Lebensjahr. |
Synapsen bestimmten Lernverhalten
Oxford/Graz (pte) - Forscher der University of
Oxford http://www.ox.ac.uk haben nachgewiesen, warum junge Menschen leichter
lernen als ältere. Der Grund dafür ist, dass das Gehirn Erinnerungen
verschieden abspeichert. So nehmen junge Gehirne beispielsweise Informationen
leichter auf, ältere speichern die Informationen jedoch effektiver ab. Für die
Wissenschaft bedeute dies einen neuen interessanten Ansatz, weitere
Untersuchungen seien aber notwendig, so die Forscher.
Genau untersucht wurde das Nervensystem von
jungen und alten Ratten, wobei genau auf die Aktivität der Synapsen geachtet
wurde. So wurde festgestellt, dass die so genannten 'stillen Synapsen' hauptsächlich
bei jungen Menschen während der Speicherung von Informationen auftreten. Diese
Synapsen nehmen aber mit zunehmendem Alter ab, wodurch die Speicherung von
Informationen - also das Lernen - schwieriger wird. Für ältere Menschen sei
das Lernen jedoch nicht so wichtig, sondern eher das Abrufen gespeicherter
Informationen. Dies wird jedoch oft durch die doppelte oder mehrfache Verwendung
bestimmter Gehirnteile erschwert.
Dass es einen Zusammenhang zwischen der Lernfähigkeit
und dem Gehirn gibt, bestätigt auch Aljoscha Neubauer vom psychologischen
Institut der Universität Graz http://www.uni-graz.at im Gespräch mit
Pressetext. "Die Flexibilität und Plastizität der Nervenverbindungen im
Gehirn nehmen mit zunehmenden Alter ab, wodurch die Lernfähigkeit beeinträchtigt
wird", erklärt Neubauer gegenüber Pressetext. Diese Defizite werden aber
für gewöhnlich durch die so genannte Lebenserfahrung ausgeglichen, die ein
unglaubliches Potenzial besitzt. "Im groben kann man sagen, die Leistungen
im kognitiven Bereich nehmen nicht ab, sondern ändern sich mit zunehmenden
Alter", erklärt Neubauer abschließend.
LINK: Weiter mit "Psychische
Erkrankungen "Hirnforschung"